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Wussten Sie schon?

Müssen Schmerzen sein? Machen alle Schmerzmittel abhängig? Zu kaum einer Behandlung gibt es so viele Vorurteile wie zur Schmerzbehandlung. Wir räumen damit auf!

Keine Scheu vor Opioiden!

Werden Opioide konsequent und frühzeitig eingesetzt, können sie Spätfolgen starker Schmerzen wie Ängste, Depressionen oder Vereinsamung verhindern. Bleiben Schmerzen dauerhaft aus, wird das Schmerzgedächtnis wieder gelöscht. Andererseits: Je länger Schmerzen andauern, desto länger muss behandelt werden. Vorbeugen ist daher auch bei Schmerzen die beste Medizin. Schmerzforscher fordern, dass alle schmerzhaften Eingriffe in örtlicher Betäubung und/oder Narkose durchgeführt werden sollen.

Opioide nicht nur bei Krebs

Starke Schmerzmittel können auch bei "nur" gutartigen Erkrankungen eingesetzt werden. In vielen Fällen können Schmerzen erst durch den Einsatz von Opioiden dauerhaft gestillt werden. Die Vorstellung, dass Opioide zwangsläufig lebenslang eingenommen werden müssen, ist völlig verkehrt. So kommen Opioid-Schmerzmittel bei allen schweren Verletzungen zeitlich begrenzt zum Einsatz, ebenso wie bei schweren Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen und bei chronischen Schmerzen.

Für jeden Schmerz das passende Mittel

Haben Sie keine Angst, dass Ärzte bei hartnäckigen Schmerzen mit ihrem "Latein" am Ende sind. Zum einen können sie bei nachlassender Wirkung auf ein stärkeres Opioid umstellen. Zum anderen kann ein Opioid individuell höher dosiert werden. Alternative: Opioide werden mit einem dünnen Katheter in die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit eingebracht, womit sie direkt zum Rückenmark und Gehirn gelangen.

Auch Kombinationen z. B. mit stimmungsaufhellenden Medikamenten (Antidepressiva) oder Anfallsmedikamenten (Antikonvulsiva) werden erfolgreich zur Schmerzbekämpfung eingesetzt.

Spaß ohne Schmerzen

Auch Sie als Betroffener können hier einiges zum Gelingen der Schmerzbehandlung beitragen: Löst Krankengymnastik bei Ihnen regelmäßig Schmerzen aus, sollten Sie - in Absprache mit Ihrem Arzt - die Menge des Schmerzmedikaments erhöhen. So können Sie die Krankengymnastik möglichst schmerzarm oder -frei ausüben. Ähnliches gilt für andere Aktivitäten, die Ihnen Schmerzen bereiten.

Verzichten Sie auch nicht auf Dinge, die Ihnen Freude bereiten! Sie geraten sonst in einen Teufelskreis aus Schmerz, Vereinsamung und Depression.

Suchtgefahr überschätzt

Opioide haben ein negatives Image, da einige Vertreter dieser Substanzgruppe in die Blutbahn gespritzt als Droge missbraucht werden können. Die meisten stark wirksamen Schmerzmittel unterliegen daher dem Betäubungsmittelgesetz, das enge Grenzen für die Verschreibung dieser Opioide vorschreibt. Doch die Gefahr der Sucht wird bei den Opioiden weit überschätzt.

Bei Schmerzkranken treten Glücksgefühle durch die Einnahme starker Schmerzmittel in der Regel nicht auf. Die Erfahrungen mit starken Opioiden weltweit zeigen, dass bei Schmerzkranken praktisch keine Suchtgefahr besteht. Sind die Schmerzen beseitigt, können diese Schmerzmittel wieder abgesetzt werden.

Opioid ist nicht gleich Opioid

Nicht alle Opioide können missbräuchlich verwendet werden. Durch einen chemischen Trick, nämlich der Kombination mit einem Gegenspieler, kann ein Missbrauch ausgeschlossen werden. Wird dieses Präparat in die Blutbahn gespritzt, verhindert der Opioidgegenspieler das Aufkommen eines Glücksgefühls und löst sogar Entzugserscheinungen aus. Damit steht in Deutschland ein stark wirksames Schmerzmittel zur Verfügung, das nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Lang wirksame, so genannte "retardierte" Schmerzmittel, die heute fast nur bei Schmerzkranken zum Einsatz kommen, eignen sich im Übrigen so gut wie nie als Ersatzdrogen.

Angst vor Gewöhnung unbegründet

Auch die Furcht, dass Schmerzkranke mit der Zeit ähnlich wie Drogenabhängige immer größere Mengen des Opioids brauchen, sind durch die weltweiten Erfahrungen mit Millionen von Patienten längst widerlegt. Nimmt der Schmerz nicht zu, wirkt die unveränderte Dosierung über Jahre hinweg. Die Menge an Schmerzmittel muss nur erhöht werden, wenn der Schmerz z. B. bedingt durch das Fortschreiten der Krebserkrankung zunimmt.

Schmerzmittel "light"?

Obwohl sie wesentlich häufiger gegen Schmerzen eingesetzt werden als Opioide, sind "leichtere" Schmerzmittel nicht immer unbedenklich. Solche Schmerzmittel werden häufig auch als „Nicht-Opioid-Schmerzmittel" oder als „Rheumamittel" bezeichnet. Experten gehen davon aus, dass pro Jahr bis zu 3000 Todesfälle in Deutschland auf das Konto der älteren "Rheumamittel" gehen.

Der Grund sind Nebenwirkungen, insbesondere die Gefahr plötzlicher Magen- und Darmblutungen. Zudem können diese Schmerzmittel bei längerfristiger Einnahme auch Schäden an der Niere verursachen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind und im Extremfall sogar eine Blutwäsche (Dialyse) erfordern können.

Weitere Informationen zur Entstehung und Behandlung von Schmerzen finden Sie in unserem umfassenden Informationsdienst www.schmerz-tipps.de.